Telf Al Nawal
Saarlooswolfhond Kennel

 

Erlebnisse mit meinen Saarloos Wolfhunden

Hier werde ich ein paar Erlebnisse mit meinen Hunden schildern. 


Mein erster SWH-Welpe

Schon von klein auf hatten wir Hunde. Schäferhund, Dogge, Neufundländer, Dobermann, Schäferhund-Rottweiler-Mix. Alles unkomplizierte Hunde, denkt man, wenn man die Erfahrungsberichte von SWH Besitzern damals im Netz durchgelesen hat.

Aber ich wollte so einen Hund. Also erst mal die passende Umgebung schaffen und dann einen Welpen. Leider läuft nicht immer alles planmäßig und so kam mein SWH-Welpe erst mit 4 Monaten zu mir. (In meiner alten Wohnung war Hundehaltung verboten.) Aber ich besuchte sie und ihre Familie jedes Wochenende. Eine schöne aber auch anstrengende Zeit, jedes Mal knapp 600 km hin und zurück. Aber es hat sich gelohnt. Aika, wie ich sie nannte, kannte mich und Balu, den Berner Sennenrüden von meinem damaligen Freund, sehr gut und so verlief die Eingewöhnung ganz leicht.

Entgegen aller Erwartungen hatte sie nie zerstörerische Tendenzen. Also nicht mehr als ich es von unseren vorherigen Hunden kannte und ich dachte mir, naja die übertreiben. Erst Jahre später sollte ich durch eine andere SWH-Dame eines Besseren belehrt werden, aber das ist eine andere Geschichte.

Aika war aus heutiger Sicht absolut unkompliziert, aber ihre Zurückhaltung gegenüber allem was sie nicht kannte, und ihre Sensibilität stellten mich damals schon vor so manche Herausforderung. Eine gute Hundeschule zu finden war nicht einfach ( ich wusste ja was ich üben wollte und was nicht) und eigentlich hatte ich es auch schon aufgegeben, als eine Freundin mir einen kleinen Platz empfahl. Dort angekommen natürlich erst wieder die Fragen, warum ist sie so ängstlich, hast du die aus schlechter Haltung, ist sie misshandelt worden, etc…

Auch die Trainerin kannte diese Rasse nicht. Und in den ersten 5 min auf dem Platz war ich soweit mich umzudrehen und wieder zu gehen, da sie überhaupt keine Ahnung hatte und Übungen von uns verlangte, die ich so nicht mit meinem Hund machen wollte. Wäre nicht plötzlich ein Mann mit 2 freilaufenden Hunden auf dem Platz erschienen, der zielstrebig auf uns zuhielt und der Trainerin direkt sagte: Das ist ein Saarloos, der geht nicht so dicht an fremden Menschen vorbei. Laßt ihm bzw. ihr mehr Platz, starrt sie nicht an und lasst sie von alleine kommen nicht mit Zwang. Ich war überrascht und hocherfreut, als ich erfuhr, das ist der Haupttrainer. Und so blieben wir und trainierten mit ihm. Leider ist er nach knapp einem halben Jahr weggezogen und bei der anderen Trainerin wollte ich nicht bleiben. Aber das war auch nicht nötig. Balu zuhause, am Stall der „Hofhund“, die beiden Hunde meiner Stallpartnerin und die beiden Hunde meiner Schwester. Und einige Hunde, die wir auf unseren Spaziergängen inzwischen recht gut kennengelernt hatten. Genug andere Hunde um zu üben. Alles perfekt dachte ich. Aber wie das Leben so ist, es blieb nicht so. Die Beziehung ging auseinander und Aika trauerte um ihren Freund.

Aus meinem lebenslustigen Junghund von 2 Jahren wurde ein Häufchen Elend. Mir war klar alle Hundefreunde halfen nicht, es musste ein weiterer Hund einziehen. Da der Kontakt zu der Züchterin immer noch rege vorhanden war, rief ich sie an, ob sie noch mal einen Wurf plane und ob ich mit Aika bis dahin nicht öfters „vorbeikommen“ könne. Das war im Sommer. Einen Wurf wollte sie erst im nächsten Frühjahr machen. Eine lange Zeit, dachte ich, aber vielleicht klappt es ja, wenn ich öfters hinfahre. Also wieder fast jedes Wochenende so weit fahren. Probleme mit dem Autofahren hatte Aika nie und nachdem ich ein paar mal gesagt habe: fahren wir zu Tano und Asky konnte sie es kaum erwarten endlich ins Auto zu kommen. Bis heute liebt sie es Auto zu fahren, obwohl das Einsteigen inzwischen nicht mehr so gut klappt, altersbedingt.

An diesen Wochenenden blühte sie richtig auf um dann während der Woche wieder ein Häufchen Elend zu werden. Ich wollte schon im Tierheim vorbei gehen und sehen, ob nicht ein Hund dabei wäre, bei dem sie aufblüht, als mich die Züchterin anrief. Wahrscheinlich kämen in gut 2 Monaten Welpen zur Welt. Ich freute mich riesig. Aika würde ein kleines Schwesterchen bekommen….

Und bis es soweit war, waren wir weiterhin fast jedes Wochenende dort. 


Aika soll ein Schwesterchen bekommen

Nachdem wir Wochenlang fast jedes Wochenende zu Aika`s Hundeeltern gefahren sind, kam endlich die ersehnte Nachricht, dass die Welpen kommen. Ich hatte der Züchterin gesagt, sie solle mir doch direkt Bescheid geben, egal um welche Uhrzeit. Und so erhielt ich nachts um halb zwei die SMS: der erste Welpe ist da!

Obwohl ich schon geschlafen hatte und normalerweise von diesem leisen SMS-Ton nicht wach wurde, war es in dieser Nacht ganz anders. Ich war sofort wach. Und mit wach meine ich auch wach. Aufgeregt schrieb ich zurück: Drück die Daumen, dass alles problemlos verläuft. Bitte halt mich auf dem Laufenden, wenn möglich.

An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich hoffte inständig, alles möge gut gehen. Dann eine weitere SMS. Noch zwei Welpen. Und so ging es in unregelmäßigen Abständen weiter. Schließlich erblickten 7 Welpen das Licht der Welt. Die Mama war zwar müde, aber gesund und munter und auch den Welpen ging es gut.

Damit Asky (die Mama) etwas Ruhe hatte, beschlossen wir, dass ich mit Aika erst wieder komme, wenn die Welpen die Augen öffneten. Die Zeit kam mir wie eine Ewigkeit vor, vor allem weil Aika so traurig war. Dann mittwochs der Anruf: der 1. Welpe öffnet die Augen. Jeder kann sich denken, wo wir das folgende Wochenende waren…

Für mich war es verblüffend, wie die Hunde untereinander kommunizierten. Tano und Asky kamen um uns zu begrüßen. Asky drehte sich dann irgendwann um und ging ein Stück zurück, blieb stehen schaute Aika an und als Aika ihr folgte setzte sie ihren Weg zu den Welpen fort. An der Wurfkiste angekommen, wartete sie bis Aika nur noch ca. 2m entfernt war, „knurrte“ leise und ging in die Wurfkiste. Aika blieb stehen und mit gespitzten Ohren und neugierigem Blick beobachtete sie das Treiben in der Wurfkiste. Ein weiterer Blick von Asky  - Aika legte sich hin.

Dann kam Asky wieder raus gefolgt von ein paar Welpen. Neugierig tapste der erste Welpe auf Aika zu. Ich war gespannt was jetzt passiert. Duldete Asky auch weiterhin Aika so nah bei den Welpen? Ich war auf alles gefasst – dachte ich zumindest.

Als der Welpe bei Aika angekommen war, beschnupperten sie sich kurz und Aika leckte dem Kleinen vorsichtig das Gesicht. Asky war wohl sehr zufrieden mit Aika`s Benehmen, denn von dem Augenblick an, überließ sie die Aufsicht der Welpen, die sich außerhalb der Wurfkiste befanden, ihr.

Aika hat nie versucht in die Wurfkiste zu gehen, aber der Abstand, den sie einzuhalten hatte wurde von Woche zu Woche kleiner.

Auch heute noch bin ich überwältigt von diesem Verhalten. Ich hatte ja schon mit dem Schlimmsten gerechnet, aber damit sicherlich nicht. Aika als Babysitterin….

 

Die Wochenenden mit den Welpen waren nicht nur unglaublich schön, sondern auch sehr lehrreich für mich. Ich konnte so viel beobachten. Aber ich musste mich auch irgendwann für ein Schwesterchen entscheiden und das war die schwerste Aufgabe, denn mit der Zeit sind mir alle ans Herz gewachsen. Noch vor der Geburt stand für mich fest, wenn eine braune Hündin dabei ist, die Aika mag, nehme ich sie. Und es war eine Braune dabei. Sie war neugierig, erkundete gerne die Umgebung und interessierte sich für alles. Aika mochte alle Welpen und so war eigentlich klar, die kommt mit uns mit. Aber da war noch so ein kleines dunkles Mädchen. Viel kleiner als seine Geschwister und auch viel zurückhaltender. Klar hat man Mitleid, aber bei dieser Dame trat das ganz schnell in den Hintergrund, wenn man sah wie clever sie „Probleme“ löste. Das faszinierte mich an ihr. Wenn sie etwas wollte, erreichte sie es auch mit Ausdauer, Geduld und vielen Ideen. Was ihr damals an Körperkraft fehlte machte sie durch Clevernes dreimal wett.

So z.B. beim Füttern. Bei der ersten Fütterung aus dem Napf, wurde sie immer von den anderen Welpen zur Seite gedrängte. Alle Versuche irgendwo am Napf zu fressen schlugen fehl. Als sie sich etwas abseits hinsetzte, dachte ich schon, sie ist müde und hat nicht mehr die Kraft sich durch zu kämpfen. Aber sie wartete nur auf den „richtigen“ Augenblick. Als sie eine Lücke erspähte sprang sie nach vorne, aber sie blieb nicht am Napfrand stehen, sondern kletterte hinein bis in die Mitte. Erst hier hielt sie an um zu Fressen. Und das mit Erfolg, denn keiner der Anderen war stark genug, sie und den Welpen dahinter wegzuschieben. Und so bekam sie immer genug zu fressen und zusätzliche Aufmerksamkeit durch Mama oder Papa, die sie dann wieder säuberten.

So war ich immer zwischen den Beiden hin und her gerissen. Aika war auch keine Hilfe, sie mochte beide gleich gern. Die Zeit verging und die Züchterin brauchte eine Entscheidung. Die Woche darauf kamen Interessenten für eine Hündin. Aber es war so schwer. Mir zerriss es das Herz mich für eine entscheiden zu müssen. Beim Abschied sonntags sagte sie mir, bis nächstes Wochenende musst du dich entscheiden ( und mit einem breiten Lachen ) oder du holst Beide, Platz genug hast du ja.

Und so fuhr ich heim. Traurig dass das Wochenende schon wieder vorbei war und dass ich jetzt eine Entscheidung treffen musste.

Ich überlegte hin und her. Wägte ab. Verwarf meine Entscheidung wieder und wieder. Dann so ganz klamm heimlich regte sich das Erinnerungsvermögen. Was hatte sie beim Abschied gesagt? ….oder du holst Beide? Daß das nicht ernst gemeint war, war mir bewusst. Aber….. Ich hole einfach beide, dann muß ich mich nicht Entscheiden! Das war die einzig richtige Entscheidung, die ich treffen konnte. Fand ich zumindest.

Beim nächsten Besuch am folgenden Wochenende antwortete ich auf ihre Frage, ob ich mich entschieden habe: Klar- ich nehm Beide. Sie war erst verblüfft, dann ein Lachen: Du nimmst mich auf den Arm. Nein, ich wollte sie wirklich nicht auf den Arm nehmen und so diskutierten wir über Vor- und Nachteile gleich zwei gleichaltrige Welpen zu erziehen. Wir waren noch mitten im Für und Wieder als die Interessenten kamen. Ich bangte schon um „meine“ Zwei, denn die Züchterin fand meine Entscheidung einerseits super, andererseits wollte sie mir nicht leichtfertig 2 Welpen geben, ohne mich auf die ganze eventuelle Problematik vorzubereiten. Wir hatten Glück, sie entschieden sich für eine andere graue Hündin…

 Nochmal eine Woche zum Nachdenken.

Aber trotz aller Schwierigkeiten, die auf uns zukommen könnten, war ich wild entschlossen beide Welpen zu nehmen. Namen hatte ich auch schon ausgesucht – Laska für die Graue und Newa für die Braune.

Und was soll ich noch groß sagen – Beide zogen bei uns ein. Und es sollte alles nicht so schwer werden, wie befürchtet. 


Ein Spaziergang am Fluß

Es war ein herrlicher Wintertag mitten im Januar, eisig kalt -15 Grad, eine Seltenheit in unserer Region und ich beschloß mit meinen Hunden einen Spaziergang am Saarbrücker Flussufer zu unternehmen. Zu dieser Jahreszeit ist dort wenig los und ich dachte zum Üben ein perfekter Platz. Auf der anderen Flußseite die Stadtautobahn, auf dieser Seite ca. 100 m Wiese bis zu den ersten Gebäuden und dem städtischen treiben. Wir trafen uns mit einem Bekannten und los ging es. Aika die Älteste mit knapp 3 Jahren und ihren beiden 4,5 monate alten Vollgeschwister Laska und Newa. Newa war die vorwitzigste von allen. Sie wollte immer alles untersuchen. Laska zurückhaltender, immer überlegend ob es sich rentiert sich zu bewegen. Und Aika, die immer alles im Auge behielt und auf die Beiden aufpasste. So schlenderten wir dahin. Mal waren die Hunde vor uns, mal erkundeten sie ein Gebüsch, aber sie waren immer in unserer Nähe. Dann ein leises Winseln. Wo waren die Hunde? Rechts Richtung Flussufer stand Newa, doch wo waren Aika und Laska? Ich rannte los schon Böses befürchtend. Da! Aika am Flussufer. Und Laska? Dann hörte ich Geplansche. Vorsichtig ans Ufer, denn die Saar ist auf diesem Abschnitt für die Schiffart befestigt und alle 10m befindet sich eine Art Leiter vom Uferrand bis ins Wasser. Meine Befürchtung bewahrheitete sich. Laska war im Wasser! Panik stieg in mir auf. Sie war gut 2m unter mir und ca. 3m von der nächsten Leiter, die sie natürlich nicht hoch hochklettern konnte. Gut schwimmen konnte sie auch nicht, versuchte verzweifelt an der Wand wieder rauszukommen. So schnell hatte ich die beiden anderen noch nie angeleint und meinem Bekannten in die Hand gedrückt. Dann war ich auch schon auf dem Weg die Leiter runter zu klettern. Ich hoffte inständig Laska würde in meine Richtung kommen, wenn ich rufte. Ansonsten war ich fest entschlossen zu ihr zu schwimmen und sie zu holen. Wie idiotisch dieser Gedanke war, in voller Wintermontur zu schwimmen, wurde mir erst viel später bewusst. Aber ich hatte Glück und Laska strampelte sich tapfer zu mir. Bei mir angekommen, die nächste Schwierigkeit. Wie bekomme ich sie aus dem Wasser. Ich hing an der Leiter kurz über dem Wasser. Mit einer Hand musste ich mich festheben und mit der anderen versuchte ich Laska auf mein angewinkeltes Bein zu ziehen/heben, wie auch immer. Dann Sprosse für Sprosse nach oben. Laskas Gewicht und Kälte durch die Nässe machten es nicht gerade leicht, aber nach einer gespürten Ewigkeit kamen wir endlich oben an. Beide klatschnaß aber sonst wohlauf. Damit wir uns nicht noch eine Erkältung einfingen ging es dann im Dauerlauf zurück zum Auto. Laskas Fell war fast  bis auf die Haut komplett gefroren (meine Klamotten natürlich auch, was aber für mich nicht so wichtig war) und ich hatte riesige Angst wegen Unterkühlung. Also erst mal Welpen warmrubbeln. Das gab dann auch gleich Streß mit meinem Bekannten, er hatte auch meine Gesundheit im Auge. Ich solle nach hause und mich umziehen. Nachdem ich eingesehen hatte, dass ich bei dem gefrorenen Fell sowieso nicht so viel ausrichten konnte fuhr ich also nach Hause. Heizung auf Volldampf. Bis wir zuhause angekommen waren, waren wir auch soweit wieder aufgetaut. Jetzt konnte ich sie richtig trockenreiben und anschließend raus aus meinen nassen Klamotten. Wir hatten beide Glück ohne Erkältung davongekommen zu sein.

Ein paar Wochen später war ich wieder an der Stelle. Ich wollte wissen, ob Laska aufgrund des Schreckens jetzt ängstlich reagierte und nicht mehr hin wollte. Aber nicht sie war ängstlicher geworden, sondern ich… 

Weitere Erlebnisse folgen :-)